Aus alt mach neu?
Wie die jüngeren Generationen eine neue Chance auf Wohneigentum bekommen können. Das Wohlstandsversprechen der Eltern trägt für viele der jüngeren Generationen nicht mehr. Ausbildung, arbeiten, sparen und irgendwann das eigene Haus: Was lange selbstverständlich klang, scheitert heute oft schon an der Finanzierung.
YOUTH & POLITICS
8/20/20263 min lesen
Neue Wohnungsbaukredite kosteten im Juni 2026 im Durchschnitt 4,0 Prozent effektiv. Wer beispielsweise 360.000 Euro finanziert und mit zwei Prozent anfänglicher Tilgung rechnet, kommt damit auf rund 1.800 Euro monatlich, noch bevor Instandhaltung und andere laufende Kosten dazukommen.
Und vorher wird Eigenkapital für Kaufnebenkosten und einen Teil des Kaufpreises benötigt.
Wer Geld von den Eltern, eine Erbschaft oder ein Grundstück mitbringt, hat deshalb einen gewaltigen Vorsprung. Wer bei null beginnt, muss trotz gutem Einkommen oft jahrelang sparen. Tatsächlich zeigt der Zensusvergleich, dass sich der Zugang zu Wohneigentum zwischen den Generationen verschoben hat.
Vielleicht muss man deshalb anders über das Eigenheim nachdenken.
Nicht: Grundstück kaufen und neu bauen.
Sondern: ein älteres Haus kaufen und daraus unser Zuhause machen.
Genau hier setzt das staatliche Förderprogramm „Jung kauft Alt“ an. Seit dem 3. August 2026 wurden die Bedingungen deutlich verbessert. Familien mit Kindern können für den Kauf einer energetisch schlechten Bestandsimmobilie einen zinsverbilligten KfW-Kredit erhalten.
Die Kredithöchstbeträge liegen bei:
140.000 Euro mit einem Kind
160.000 Euro mit zwei Kindern
180.000 Euro ab drei Kindern
Bei Vorstellung der neuen Konditionen Ende Juli nannte die KfW für ein Darlehen mit 35 Jahren Laufzeit und zehn Jahren Zinsbindung einen effektiven Jahreszins von 0,53 Prozent. Damit lässt sich ein erheblicher Teil des Kaufpreises wesentlich günstiger finanzieren.
Die Förderung gibt es allerdings nicht für das frisch sanierte Traumhaus. Die Immobilie muss beim Kauf die Energieeffizienzklasse F, G oder H haben. Danach muss man sie innerhalb von 54 Monaten energetisch verbessern.
Seit August 2026 ist das flexibler möglich. Statt zwingend das gesamte Gebäude auf einen Effizienzhausstandard zu bringen, können auch mehrere Einzelmaßnahmen umgesetzt werden – etwa Fenster austauschen, Dach und Fassade dämmen oder die Heizung erneuern.
Das macht aus dem alten Haus ein anderes Eigentumsmodell:
kaufen, einziehen, modernisieren.
Wichtig ist allerdings: Der Kredit „Jung kauft Alt“ finanziert den Kaufpreis, nicht die eigentlichen Sanierungskosten. Dafür können andere Förderangebote, beispielsweise die Bundesförderung für effiziente Gebäude, infrage kommen.
„Jung kauft Alt“ ist keine allgemeine Förderung für die jüngere Generation.
Mindestens ein Kind unter 18 Jahren muss im Haushalt leben. Bei einem Kind darf das jährliche Haushaltseinkommen maximal 90.000 Euro betragen, mit jedem weiteren Kind steigt die Grenze um 10.000 Euro. Außerdem darf die gekaufte Immobilie grundsätzlich nicht einfach eine weitere Immobilie neben bereits vorhandenem Wohneigentum sein.
Singles und kinderlose Paare profitieren daher nicht.
Und auch Familien brauchen weiterhin Eigenkapital und eine tragfähige Gesamtfinanzierung.
Das klassische Wohlstandsversprechen lässt sich damit nicht einfach reparieren. Wohneigentum bleibt für die junge Generation schwerer erreichbar, wenn sie kein Vermögen mitbringen.
Aber wenn das erste eigene Haus nicht neu, perfekt und fertig sein muss, dann steht es vielleicht längst schon da.
Ein Haus aus den 1960er-, 70er- oder 80er-Jahren. Energetisch überholt, gestalterisch aus der Zeit gefallen.
„Jung kauft Alt“ macht Eigentum nicht plötzlich billig. Aber das Programm eröffnet uns einen anderen Weg: aus alt mach neu – statt neu um jeden Preis.
Quellen
Deutsche Bundesbank, 2026: Zinsstatistik – Zinssätze und Volumina für das Neugeschäft der deutschen Banken: Wohnungsbaukredite an private Haushalte.
https://www.bundesbank.de/resource/blob/615036/63d6ec83323c77e0c44b9a1b4e14fc82/472B63F073F071307366337C94F8C870/s510athyp-data.pdf
KfW Bankengruppe, 2026: KfW und Bund verbessern Förderung für Kauf sanierungsbedürftiger Wohnimmobilien durch Familien.
https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_903168.html
KfW Bankengruppe, 2026: Jung kauft Alt – Wohneigentum für Familien – Bestandserwerb (Kredit 308).
https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestehende-Immobilie/F%C3%B6rderprodukte/Wohneigentum-f%C3%BCr-Familien-Bestandserwerb-%28308%29/
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, 2026: Verbesserte Förderbedingungen für Jung kauft Alt.
https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2026/07/Verbesserte-F%C3%B6rderbedingungen-f%C3%BCr-Jung-kauft-Alt.html
Kohlhepp, Frederic; Tatzel, Alexander; Dreschmitt, Kai; Pfahl, Miriam / Statistisches Bundesamt, 2026: Eigentumsquoten im Vergleich. Ausgewählte Ergebnisse der Gebäude- und Wohnungszählung 2022.
https://www.destatis.de/DE/Methoden/WISTA-Wirtschaft-und-Statistik/2026/02/eigentumsquoten-vergleich-022026.html

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